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IST METAL NUR NOCH SPIEßIG? / wird metal langweilig?

27. Feb. 2016

 

 

Ist Metal nur noch spießig? Nach mittlerweile 40 Jahren Geschichte ist Heavy Metal eines der beständigsten Musikgenres, zusammen mit Rock und Hard Rock.

Entwickelte sich Heavy Metal damals aus Einflüssen von Rock und Punk (MOTÖRHEAD), so wird dem Heavy Metal und vor allem dem geneigten Metalfan heutzutage vor allem Innovationslosigkeit unterstellt.

Und sicherlich, in keinem anderen Musikgenre werden die Veteranen früherer Zeiten so sehr verehrt wie in Rock und Metal. IRON MAIDENMETALLICA, BLACK SABBATH…die absolute Headliner jedes Konzerts. Wenn diese Bands spielen, dann sieht man sich die gefälligst an – scheißegal, wer vielleicht gleichzeitig spielt, und scheißegal, was für schlechte Alben diese Bands in letzter Zeit herausgebracht haben.

Aber daran ist ja absolut nichts schlechtes dran: Diese Bands haben Jahrzehnte von Musik und viele Generationen geprägt. Fans, die durch diese Bands einen neuen Lebensweg gefunden haben, sind keine Seltenheit.

Die Metalszene habe ich bisher nicht als konservativ oder spießig empfunden. Es gibt durchaus eine ganze Menge Leute, die neuen Sachen sehr verhalten entgegenstehen, Bands, die Dinge ausprobieren beleidigen oder oder und. Fakt ist aber, dass die Metalszene nicht nur durch die Großen Legenden ausgemacht wird, sondern auch durch einen lebhaften Underground, in dem immer viel rumprobiert wird. Dort entstehen immer wieder neue Strömungen

Ein Problem ist sicher, dass Bands, die ihren Stil ändern, nicht gerne gesehen sind. “Lulu” von METALLICA dürfte das meistgehasste Album aller Zeiten sein. Es ist anders als das normale METALLICA, und vielleicht haben Metalheads ja Angst vor Veränderung.

 

 

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Seien wir doch mal ehrlich: Heavy Metal ist, vermutlich gemeinsam mit Klassik, das spießigste aller Genres. Aber ist es wirklich so schlimm, spießig zu sein?

Die harte Musik ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bands wie SABATONARCH ENEMY und weitere erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Häufig sind es die Power und True Metal-Bands, die den Weg in das Reich des Heavy Metal ebnen.

Heutzutage kann jeder Metaller sein. Früher war das die Musik des Undergrounds, der Jugend, die anders war. Früher war es die “Youth Gone Wild”, wie SKID ROW einst gesungen hat.

Jetzt sind die Menschen von damals alt, bequem und alt. Die Fangemeinde besteht nicht selten aus drei oder mehr Generationen. Die wilden, ungezähmten Tage sind vorbei und aus Heavy Metal wurde Musik für die Massen.

Die Fans der ersten Stunde sind heute oft zahm geworden – und während es früher egal war, wie der Club aussah, wären heute ein paar saubere Sitzplätze doch ganz nett. Und echte Federkernmatratzen auf Festivals. Und Frotté Handtücher. Danke.

Auf der anderen Seite hat sich auch das Klientel in der jüngeren Generation extrem geändert. Metal war früher die Musik des Proletariats. Nachdem es sich aus Hard Rock, Punk und Blues entwickelt hatte, sorgten Bands wie MOTÖRHEAD für diese “I-don’t-give-a-Fuck” Einstellung, die auch heute noch eine der Charaktereigenschaften der Szene ist.

Aber die “Unterschicht” gibt nicht mehr den Ton an. Damals traf man sich in Garagen oder wo gerade Platz war, schrammelte auf Amps mit viel zu viel Gain und fand’s geil. Heute muss alles perfekt produziert sein – und das kostet. Das kostet so viel Geld, dass Heavy Metal mittlerweile eine Vorliebe für etwas wohlhabendere Schichten geworden ist.

Und auch der Bildungsgrad hat sich gewandelt. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Metal-Community hat oder macht gerade Abitur. Immer mehr fangen an, auf Festivals nicht Fleisch, sondern selbst gemachte Soja-Seitan-Spieße auf den Grill zu legen – oder verzichten gar gänzlich darauf und steigen um auf Rohkost.

Aber wieso ist Heavy Metal denn nun so spießig? Und war es das schon immer oder ist es das erst in der letzten Zeit geworden?

Zunächst einmal: Metalheads bleiben gerne unter sich. Nicht, dass sie andere nicht tolerieren oder akzeptieren. Aber es ist für sie deutlich angenehmer, überall lange Haare, schwarze Armbänder und zerschlissene Kutten zu sehen.

Punkt 2: Metalheads verehren, ja vergöttern die alten Werte. Nein, das ist keine Nazi-Parole. Jeder weiß, dass Metalheads genau die überhaupt nicht ausstehen können. Ich spreche hier von den alten, legendären Größen wie DIOJUDAS PRIESTMOTÖRHEADIRON MAIDEN und so weiter…egal, was sie heute herausbringen: Neue Bands werden es niemals schaffen, sich gegen das Erbe dieser Riesen durchzusetzen und zu behaupten. (Wir sind uns doch übrigens alle einig, oder? Die einzigen, die man vergöttern sollte, sind Ronnie James und Lemmy Kilmister)

Punkt 3: “Album, Tour, Album, Tour, Album, Tour”

Zugegeben, das ist im restlichen Musik-Business sehr ähnlich. Aber im Metal ist es wirklich sehr auffallend, wie stark sich alles auf diesen Zyklus konzentriert hat. Alle News-Kanäle sind voll von  Leuten, die das neue Album ihrer Band promoten wollen, in langweiligen Interviews auf die immer gleichen Fragen eingehen und anschließend auf Tour gehen. Dort haben sie dann das beste Publikum ihres Lebens, jeden Abend. Und im nächsten Jahr ist es das Gleiche.

Zwischendurch werden noch ein, zwei Videos und Teaser veröffentlicht, die im Grunde keiner sehen möchte, weil sowieso immer das Gleiche zu sehen ist: Musiker, die auf ihren Instrumenten spielen zu einem Song, den man schon vor zwei Tagen im Stream gehört hat. Keine Story, kein Gefühl – spannend.

Keine andere moderne Musikrichtung sehnt so sehr die alten, ruhmreichen Tage herbei, in denen JUDAS PRIEST noch 200.000 Scheiben in der ersten Woche verkauft haben und SLAYER noch wirklich fies, hart und brutal waren. Noch nicht einmal Rock’n’Roll bezieht sich so sehr auf vergangene Tage.

Aber ist es denn schlimm, dass Heavy Metal so spießig ist?

Grundsätzlich erstmal nicht. Es ist ja auch nicht jeder spießig. Viele Metaller rappen und mixen die Genres. Es gibt durchaus Innovationen. Die Allgemeinheit ist nur recht spießig. Das darf sie auch sein, immerhin hat es einen Grund, warum die damaligen Bands noch heute so verehrt werden. Sie haben uns so sehr berührt, wie der King of Pop vielen anderen Menschen mit seiner Musik geholfen hat. Im Metal-Genre wird diese Verbundenheit, diese Erinnerung einfach sehr viel stärker ausgelebt. Wir binden uns mit unserer Musik mehr.

“Metal Is Forever”, singen PRIMAL FEAR. Und damit haben sie nicht Unrecht. Immer mehr Menschen hören Metal. Aber irgendwo ist uns auf unserer Reise etwas verloren gegangen. Festivals sind toll, aber Komfort hat wenig mit der Brutalität und Wut zu tun, die unsere Musik so oft ausdrücken soll. Wir haben vergessen, was es heißt, wild zu sein. Heavy Metal ist zahm geworden, wir schlafen alle auf mitgebrachten Matratzen und saufen lieber auf dem Zeltplatz, als uns zum Infield zu bequemen. Nicht schlimm, aber manchmal sehr schade.

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