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Infected Authoritah erarbeiten erstes Album | REPORTAGE

24. Nov. 2016

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Von Manuel Stark

Ein letzter Schlag auf die Drums läutet das Ende des Liedes ein. Durch das mit Tüchern verhangene Fenster schleichen sich vereinzelt Sonnenstrahlen hinein. Golden wie die Abendsonne tauchen sie den Bandproberaum in ein diffuses Zwielicht. „Was kommt jetzt?“, ruft Tobias Gold, einer der beiden Gitarristen der Metal-Band Infected Authoritah, fragend in den Raum. „Hate Somebody“, antwortet Andreas Scherzer. An seinem Schlagzeug hat er die Setlist der Songs befestigt, die an diesem Spätnachmittag geprobt werden sollen. Wieder scheppern die Becken des Schlagzeugs und die ersten Gitarrenklänge heben an und werden lauter und intensiver, wie Winde die sich vereinen um zum Sturm zu werden. Gemeinsam vereinen sich die verschiedenen Klänge zum Lied „Just a Way to hate somebody“, zu dem nach den ersten Sekunden auch Christopher Zillig mit seinem Gesang einsteigt.infected gizmo

So verschieden wie die Himmelsrichtungen aus denen ein Wind blasen kann, so verschieden sind auch die versammelten Musiker. Zumindest hinsichtlich ihres beruflichen Lebensalltags, abseits der Musik. Geo-Ökologie am Schlagzeug, Materialwissenschaften am Bass, Softwareentwicklung und Werkzeugmechanik an den Gitarren. Die Mitglieder von Infected Authoritah ergänzen sich, anstatt sich zu sehr zu gleichen.

Bereits seit 2008 geht die Band gemeinsam ihren Weg. Nur einen Wechsel hat es seitdem gegeben: Tobias Gold, Gitarrist und schon damals guter Freund der Band, ersetzt seit 2014 Manuel Doppel, der aus persönlichen Gründen aus der Band schied. Nun arbeiten die Musiker an ihrem ersten Album, „Deliverance“, also Befreiung soll es heißen. Die Aufnahmen dazu haben Infected Authoritah vor Kurzem bereits abgeschlossen. Jetzt heißt es warten auf die Plattenfirma und proben, proben, proben. Die neuen Lieder müssen sitzen, wenn das Deliverance auf den Markt und Infected Authoritah mit dem Album auf die Bühne kommt.infected scherzer

Manchmal ist jede Minute einer Probe eine Herausforderung. So wie an diesem Nachmittag in Schney. Das Thermometer zeigt mehr als 30° im Schatten, die Luft scheint sich wie eine feste Masse gegen jede Bewegung der Musiker zu stemmen. Schweiß läuft in kleinen Rinnsalen von Schultern, Brust und Rücken hinab, auch das Ausziehen der T-Shirts und Bandwesten bringt da nur wenig Erleichterung. Hier wird Musik zum Leistungssport. Fast zwei Jahre lang haben die Musiker an ihrem Werk gearbeitet, da wollen sie sich nicht von einer simplen Hitzewelle von ihren finalen Proben abhalten lassen.

„Wenn Wintersun 10 Jahre für ein Album braucht, dann dürfen wir schon zwei Jahre brauchen. Die machen das schließlich hauptberuflich und so weit sind wir noch nicht“, sagt Tobias Gold und unterbricht sein Gitarrenspiel dann doch für einen Moment. Die Hitze ist die kleinste Herausforderung, der sich Infected Authoritah stellen mussten, um ihr Album möglich zu machen. Als Privatmusiker mussten sie alle Kosten für das Album selbst tragen. Von der Aufnahme bis zur Anschaffung der teuren Geräte, von der Miete für den Proberaum bis zu den Benzinkosten die im Laufe unzähliger Fahrten anfallen. Dazu kommt die Zeit, zwischen Arbeit und Privatleben muss man auch irgendwie die Musik unterbringen.infected gold

Das ist nicht immer leicht, Schlagzeuger Andreas Scherzer ist während der Produktionszeit des Albums Vater geworden. Mit dem Ausstieg Manuel Doppels aus der Band fiel der wichtigste Schreiber der Band-Musik weg, Tobias Gold brauchte eine gewisse Zeit, um sich dieses neuen Jobs zusätzlich zu seinem Gitarrenspiel anzunehmen. „Weißt, es gibt da so einen Spruch. Wir Musiker karren 5000 Euro Ausrüstung in einem 500 Euro Gebrauchtwagen etwa 100 Kilometer durch die Gegend – für einen Auftritt, der 50 Euro einbringt“, sagt Daniel Rottenbach, „wenn wir Glück haben, dann kommen wir mit etwas Erfolg in zehn Jahren vielleicht mal bei null raus.“infected rotti

Der Gitarrist sagt es nicht frustriert, nicht wütend. Anstatt eine grimmige Fratze zu ziehen und über den Untergang des Musikgeschäfts zu schimpfen, lacht er. „Spaß ist eine weit bessere Währung als Geld. Und in dieser Währung sind wir reich. Mit selbstgemachter Musik auf der Bühne zu stehen, während die Leute abgehen, das bleibt einfach das geilste Gefühl der Welt“, sagt er.

Um ihn herum freuen sich seine Kollegen über die Worte. „Das ist genau richtig“, sagt Tobias Gold, „jahrelang habe ich für mich alleine daheim gespielt. Jetzt darf ich auf die Bühne und mir hören Menschen zu, das ist doch großartig!“ Auch Bassisten Stefanie Huber schließt sich dieser Einstellung an: „Auf der Bühne zu stehen ist für uns alle ein wahnsinniger Spaß, dafür lohnt sich das alles“, sagt sie.

„Deliverance“ besteht aus zehn selbstgemachten und selbstgeschriebenen Liedern der Band und erscheint voraussichtlich gegen Ende des Jahres, extra für das Album haben Infected Authoritah mit Hilfe einiger Freunde sogar eine eigene Webseite eingerichtet. Album und Online-Auftritt sollen dazu beitragen, auch in Zukunft weitere Auftritte zu sichern, vielleicht auch endlich mal auf einem der ganz großen Szene-Festivals wie Rockharz oder Summerbreeze.infected steffi

Und das Geld? „Da würden wir selbst bei den ganz großen Konzerten maximal auf 0 kommen. So realistisch sind wir da mittlerweile geworden“, sagt Stefanie Hauber. Auch sie hat ein Lächeln im Gesicht, während sie von derlei Handicaps für junge Bands spricht. Den Leitspruch von Daniel Rottenbach haben tatsächlich alle Mitglieder von Infected Authoritah verinnerlicht: Spaß und Musik, das ist eine viel bessere Währung als Geld.

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