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Aaargh-Festival 2016 – von Heiratsantrag, Stromausfall und Wetterchaos



Der Sommer steht vor der Tür – und damit beginnt auch langsam die Festivalsaison.
Vom 16.06.2016 – 18.06.2016 fand das diesjährige AAARGH-Festival in Uttenhofen bei Leutkirch im tiefsten Allgäu statt. Es sollte ein ereignisreiches Festival werden … Doch eines nach dem anderen.

Das Festival umfasst kaum mehr als 1.000 Besucher – es ist also alles recht gemütlich und vor allem familiär. Nach nur einem halben Tag kennt man bereits alle Gesichter des Aaargh-Teams und der Besucher und schon hält man sich die Biere in die Höhe, wenn man sich am Weg begegnet. Genau das macht kleine Festivals aus. Kurze Wege, keine Anstehschlangen und man muss seine Lieblingsband nicht von 100 Meter Entfernung anschauen. Im Gegenteil. Auf solch einem Festival ist es sogar nicht unüblich, als Gast auch mal auf der Bühne zu stehen oder dem Sänger beim Vorbeilaufen auf die Schulter zu klopfen.

Die Bühne ist in einer Scheune eingebaut – so etwas gibt es auch nur im Allgäu. So steht man als Besucher nicht unter freiem Himmel, sondern ist von Wind und Wetter geschützt. Nur gut, dass das so war, denn wer weiß, ob das Festival bei der Wetterlage sonst überhaupt so hätte stattfinden können. Denn bereits am Donnerstag war nahezu der gesamte Himmel mit dunklen Wolken bedeckt und es hat fast den gesamten Tag geregnet. Bereits bei der Anreise waren Zufahrtswege und die Wiesen, die als Parkfläche dienten, sehr schlammig und überflutet. Durchdrehende Autoräder an fast jeder Ecke. Doch wer das Metallervolk kennt, der weiß, dass man nie allein dasteht. Es dauert keine Minute, bis mindestens 5 freundliche Metalheads hinter dem Auto stehen und beim Schieben helfen.

Doch zunächst genug vom Drumherum – kommen wir zur Mucke.

 

DONNERSTAG

Eröffnet wurde das Festival von der Heavy-Metal-Band EISENHAUER. Noch waren recht wenige Leute vor der Bühne, doch die Jungs aus Kaufbeuren zeigten, was sie drauf haben, und spielten Songs von ihrer 2015 erschienen EP„Horse Of Hell“ und natürlich auch von ihrem ersten Album „Never Surrender“. Weiter ging es mit LARCENY, der Melodic-Death-Metal-Band aus Unterstadion, gefolgt von MORTICIAN, die mit ihrem Metal’n’Roll so richtig Gas gegeben haben. Es wurde zunehmend voller vor der Bühne und es wurde fleißig getanzt und gebangt. MORTICIAN-Sänger Daniel Khan überzeugte vor allem mit seiner eindrucksvollen Stimme.

Bevor Headliner INGRIMM an der Reihe ist, betritt SILVERBACKS ÖF DEATH die Bühne, die alljährlicher Gast auf dem Aaargh-Festival ist. Das war wohl auch der Grund dafür, warum es plötzlich eng in der Scheune wurde. Es gab kaum einen Metalhead im Publikum, der die Band noch nicht kannte. Es ist wohl Geschmackssache, ob man im Line-Up eines Metalfestivals eine Coverband sehen möchte. Doch hier scheint es niemand zu stören. Sei es ‘Paranoid’ oder ‘We’re Not Gonna Take It’, ‘Holy Diver’ oder IRON MAIDENs ‘Bier Aufm AAARGH’ – das Publikum tobte und gröhle die Songs mit. Nach jedem Song herrschte große Spannung, welcher bekannte Metalsong als nächstes kommt.

Den Donnerstag abschließen sollte die Mittelalter-Metal-Band INGRIMM.Überraschenderweise lichtete sich die Menge etwas, dennoch war es noch gut gefüllt. Die Band spielte verschiedene Songs aus ihrer gesamten zehnjährigen Bandgeschichte. Dann geschah wohl der Horror für jede Band: Stromausfall. Es hat eine gute Weile gedauert, bis die Technik wieder lief. Auch wenn die Stimmung für einen kurzen Moment hinüber war, INGRIMM behielten ihre gute Laune und spielten mit Dudelsack und Schlagzeug ein paar bekannte Folklore-Songs ohne Strom. Die Menge jubelte.

 

FREITAG

Nach dem regenreichen Tag brach nun der Freitag an. Ein kurzer Blick gen Himmel … Moment – wo sind denn die Wolken hin? Die Sonne schien und Wärme breitete sich aus. Das komplette Gegenteil vom Vortag. Nun, beschweren würde sich wahrscheinlich niemand. Den ersten Slot am Donnerstag übernahm MOTÖRCULT. Nein, es handelt sich hierbei nicht um eine Coverband von Motörhead. Doch wie der Name erahnen lässt, ist der Sound ähnlich.

Die Thrash-Metal-Band PURIFY übernahm im Anschluss daran das Ruder und lieferten ein starkes Brett ab. Kein bisschen weniger schlecht waren die Italiener von ALLTHENIKO. Ähnlich wie am Vortag MORTICIAN lieferte die Band sowohl gesanglich als auch instrumental eine sehr starke Leistung ab. Das steckte auch den ein oder anderen Metalhead an und zog ihn vor die Bühne.

Die Death-Metaller von PROFANITY, die danach die Bühne betraten, blicken bereits auf über 20 Jahre Bandgeschichte zurück. Sie gaben daher sowohl neuere, als auch ältere Songs preis. Bevor MUNARHEIM und WINTERSTORM, die beiden wohl bekanntesten Bands an dem Tag, an der Reihe waren, sorgte die Melodic-Death-Metal-Band NACHTSCHATTEN aus Karlsruhe für Köpferollen. Jetzt wurde es wieder richtig voll und kuschelig in der Scheune.

Mit MUNARHEIM wurde es ebenfalls kuschelig auf der Bühne. Die Band umfasst ganze acht Musiker. Neben den üblichen Instrumenten waren hier noch Akustikgitarre und Flöte vertreten. Die Symphonic-Folk-Metal-Band startete mit ihren ersten beiden Alben bereits gut durch und sind längst kein Geheimtipp mehr, auch wenn viele Aaargh-Besucher die Band noch nicht kannten. Doch es hat sichtlich nahezu allen Metalheads vor der Bühne gefallen. Viele Haare flogen durch die Luft und auch der Pogo nach der Wall Of Death hielt einige Zeit an.

Das Schlusslicht am Donnerstag übernahmen WINTERSTORM, welche bereits von einigen Fans sehnsüchtig erwartet wurden. Kein Wunder, denn der Soundcheck hat sich leider etwas in die Länge gezogen, sodass die Band fast 45 Minuten später als geplant begann. Doch als es dann endlich los ging, tobte das Publikum. Ein würdiger Abschluss des Freitags.

 

SAMSTAG

Am Samstag ging es bereits am Mittag mit purem Death Metal von L’ESTARD bei Sonnenschein los, gefolgt von den Heavy-Metallern von BLACKSLASH, die bereits 2014 das Festival beehrten. Langsam aber sicher versammeln sich die Metalheads bei den Newcomern CONVICTIVE, bei den darauf folgenden Death/Thrasher BITTERNESS, die ebenfalls schon mal auf dem Aaargh vertreten waren, und der Industrial-Metal-Band KRANKHEIT.

AUGRIMMER, die anno 2011 bereits auf dem Aaargh-Festival spielten und an jenem Tag sogar Headliner waren, dürfen nun fünf Jahre später erneut die Bühne betreten. Dass sie diesmal nicht den Tag beenden, liegt aber nicht daran, dass sie seitdem schlechter geworden oder untergetaucht sind. Im Gegenteil – seit 2011 haben die Jungs aus Günzburg sogar zwei Alben veröffentlicht. Vielmehr ist festzuhalten, dass sich das Aaargh-Festival seitdem stark entwickelt hat. Damals erstreckte sich das Festival noch über zwei Tage und große, bekannte Bands waren zu der Zeit noch nicht vertreten. Jedenfalls beweist die Band in diesem Jahr abermals, was sie drauf haben und werden von den Fans bejubelt.

Inzwischen waren auf der anderen Seite des Geländes die Spanferkel fertig gebrutzelt. In Zeiten, in denen es zunehmend mehr Veganer und Vegetarier gibt, lässt sich wohl darüber streiten, ob die Spanferkel so zur Schau gestellt werden sollten. Da die Schlange am Stand jedoch sehr lang war und die Teller im Anschluss ratzekahl, hat es wohl zumindest den Fleischfressern gut geschmeckt.

Dann waren PREDATORY VIOLENCE an der Reihe und spätestens jetzt war fast das gesamte Festival vor der Bühne. Dass die Thrasher von Übersee jedes Jahr auf dem Festival am Start sind, hat auf jeden Fall seine Berechtigung. Wie gewohnt liefern sie ein richtig starkes Brett ab. Ihr wohl bekanntester Song ‘Predatory Fuck Machine’ ist hier jedem bekannt und wird noch bis in die Nacht an jeder Ecke gesungen. In genau diesem Song wird kurz unterbrochen und eine Dame aus dem Publikum wird vom Sänger aufrufen. Denn sie hatte ein ganz besonderes Anliegen. Vor versammeltem Publikum machte sie ihrer Begleitung einen Heiratsantrag.  Daraufhin stieg er ebenfalls auf die Bühne und verkündete trocken: “Eigentlich bin ich zu alt für den Scheiß, aber unter diesen Umständen sag ich natürlich ja.” Das Publikum jubelte und der Song wurde zu Ende gerockt.

Bei DEBAUCHERY waren nicht weniger Fans vor der Bühne. Überpünktlich präsentierten sie ihren geballten Death Metal. Kaum war eine Viertelstunde vorüber, war vom Sonnenschein und vom wolkenfreien Himmel keine Spur mehr und es begann zu regnen. Der leichte Schauer entwickelte sich in kurzer Zeit zu einem richtigem Gewitter, es regnete heftig in Strömen und unweit vom Gelände knallte ein ohrenbetäubender Blitz vom Himmel. Abgesehen davon, dass der Zufahrtsweg zum Festival sich zum Fluss entwickelte, schien ansonsten nichts weiter passiert zu sein. Das Festival konnte man aber trotzdem noch ohne Boot verlassen. Das alles hinderte die Fans nicht daran, beim Headliner WOLFCHANT noch mal alles zu geben und das letzte bisschen Kraft nach drei Tagen anstrengendem Festival aus den Muskeln zu pumpen.

 

FAZIT

Auf dem Aaargh-Festival kann man auf jeden Fall etwas erleben. Gewitter, Hitze, Heiratsanträge, Stromausfall – die ganze Palette war vertreten. Dazu gute Musik, nette Menschen, kurze Wege – das alles macht das Aaargh-Festival zu einem sehr sympathischen Festival in Süddeutschland. Bleibt die Frage im Raum, ob das Festival in Zukunft noch größer werden soll. Dann jedoch müsste es wohl umziehen, denn viel mehr Platz ist in der Scheune nicht. Da im süddeutschen Raum nicht allzu viele Festivals mit großen, bekannten Bands vertreten sind, wünscht sich der ein oder andere vielleicht schon, dass es sich weiterentwickelt. Auf der anderen Seite müsste man sich jedoch auch fragen, ob es dann an Gemütlichkeit und dadurch den besonderen Charme verliert. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Zu empfehlen ist das Aaargh-Festival auf jeden Fall und wir freuen uns bereits jetzt auf nächstes Jahr.

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