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Thomas Jensen (Wacken): “Junge Musiker sollten spielen, spielen, spielen!”

Thomas Jensen


METAL4: Hallo Thomas, schön, dass wir von Metal4Bremen dir ein paar Fragen stellen können! Das Wacken Open Air hat eine beachtliche Entwicklung hinter sich. In 20 Jahren habt ihr es geschafft, das größte Metal-Festival der Welt zu werden, und das lauteste dazu. Schon früh habt ihr dafür das Internet entdeckt. Auch wenn das wohl einer der Hauptgründe ist, worauf habt ihr euch sonst noch verlassen?
Thomas Jensen
Wir haben uns nicht auf das Internet verlassen. Wir haben Anzeigen geschaltet, Flyer und Poster verteilt und Kontakte zu ausländischen Reiseveranstaltern aufgenommen. Außerdem haben wir aktiv mit der Szene zusammengearbeitet. Unterstützend haben wir auch - und das sehr früh - das Internet genutzt. Wir hatten und haben sehr gute Medienpartner, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten. Das W:O:A ist mit Sicherheit kein Fest des Internets. Die Mischung aus allem hat, denke ich, zum Erfolg geführt.
Thomas Jensen
METAL4: Das W:O:A 2010 ist gewissermaßen sehr gespalten aufgefasst worden. Einerseits gab es natürlich wie immer die Klagen, dass das Festival immer größer wird; was entgegnest du darauf, als jemand, der stets die familiäre Atmosphäre betont?
Thomas Jensen
Ich hatte nicht den Eindruck, dass das Fest gespalten aufgenommen wurde. Seit 3 Jahren wächst das Fest nicht mehr. Wir haben seit 2008 die gleichen Besucherzahlen. Und dabei wollen wir es auch belassen. Natürlich hat ein Festival mit über 70.000 Teilnehmern eine gewisse Größe, wir sehen uns aber nach wie vor als eine große Familie aus Metal-Fans, Dorfbewohnern und Partnern. Das sind auch die Resonanzen, die wir erhalten.
Thomas Jensen
METAL4: Ein anderer Kritikpunkt war das Verbot der Circle Pits und Walls Of Death. Sowohl Fans als auch einige Bands reagierten darauf sehr ungehalten und rebellierten. Was ist da in diesem Jahr genau schiefgelaufen, und wie wollt ihr die Situation im nächsten Jahr handhaben, gibt es da schon eine feste Agenda?
Thomas Jensen
Rebellion ist vielleicht etwas extrem. Es gab mit einer Band Kommunikationsproblem, da mussten wir aus Sicherheitsgründen eingreifen. In erster Linie geht es uns um die Sicherheit der Fans, und dass alle Spaß haben. Solche Entscheidungen werden nicht nur von uns getroffen, hier gibt es jedes Jahr viele Gespräche und Diskussionen mit den Ämtern und Sicherheitsbehörden. Nach dem letzten Jahr haben wir online auf unserer Homepage www.wacken.com die Fans zu diesem Thema befragt. Danach haben wir erneut das Gespräch mit allen Verantwortlichen gesucht. Die Circle Pits werden 2011 wieder erlaubt sein. Bezüglich der Wall of Death werden noch weitere Gespräche geführt, wir hoffen hier möglichst zeitnah ein Ergebnis präsentieren zu können.
Thomas Jensen
METAL4: So, um den letzten wunden Punkt auf meiner Liste rauszukramen: Eure, ich will mal sagen, „Franchise“-Veranstaltungen haben nicht wirklich funktioniert – allen voran das ehrgeizige Projekt Wacken Rocks Brazil. Woran lag es? Und, was wohl genauso interessant ist, werdet ihr es nochmal versuchen, das Wacken in die Welt zu tragen?
Thomas Jensen
Wir sehen die Wacken Rocks-Festivals nicht generell als gescheitert. Es handelt sich auch nicht um ein Franchise-System. Wacken kann es nur in Wacken geben!! Es geht darum, Partner, die in ihrer Region beziehungsweise ihrem Land ein Metal Festival organisieren möchten, zu unterstützen. Das haben wir zweimal in Aurich getan. Ein in unseren Augen sehr schönes Gelände. Im zweiten Jahr hatten wir leider nicht nur mit dem Wetter zu kämpfen, sondern hatten auch durch Beschwerden der Anwohner Probleme mit dem Camping-Gelände. Auch das Festivalgelände in Kreuth hatte einen ganz besonderen Charme. Dieses Jahr gab es kein Partnerfestival in Deutschland, da die Festivaldichte hier sehr hoch ist. Brasilien ist damals an der Finanzkrise gescheitert, der Partner, der dort ein Festival mit unserer Unterstützung durchführen wollte, hat aufgrund der sehr angespannten Lage in Brasilien davon abgesehen. Wenn allerdings gute Konzepte vorliegen, können wir uns vorstellen, wieder gemeinsam mit Kollegen Partnerfestivals aufzubauen. Allerdings wird es immer nur EIN Wacken geben!
Thomas Jensen
METAL4: So, nach der harten Einstiegsphase können wir ja nun zu erfreulicheren Themen kommen. Stichwort Nachwuchsförderung: Bei der Wacken Metal Battle treten jedes Jahr unzählige junge Bands an, und ich habe noch keine erlebt, über die ich mich nicht gefreut hätte – viele Leute lassen sogar die Großen stehen, nur um sich die Battles anzusehen. Drone gingen daraus hervor, oder auch die – zu Unrecht hier noch nicht so bekannten – The Fading aus Israel. Warum liegt euch das so am Herzen? Ihr habt mit der normalen Organisation doch sicher genug zu tun...
Thomas Jensen
Das ist mal eine wirklich gute Frage (lacht)! Schön, dass der Metal Battle dir gefällt, denn uns liegt er in der Tat sehr am Herzen. Wir schauen natürlich auch in die Zukunft und möchten Bands fördern und dazu beitragen, vielleicht sogar neue Headliner aufzubauen. Wir möchten natürlich der Szene auch etwas zurück geben, und die Nachwuchsförderung erscheint uns der beste und richtige Weg zu sein. Schon mit der ersten Pressemitteilung haben wir erklärt, den Underground und etablierte Bands zu präsentieren, das soll auch in der Zukunft so bleiben.
Thomas Jensen
METAL4: Ein noch relativ junges Projekt von euch ist die Wacken Foundation. Erzähl uns doch kurz zwei Sätze dazu. Und was uns vor allem interessieren würde: Trägt sich das Projekt?
Thomas Jensen
Das Projekt wird von uns getragen, da es sich um eine Stiftung handelt. Auch bei der Foundation geht es um Nachwuchsförderung. Junge Bands können hier Anträge auf finanzielle Förderungen stellen. Die Mittel werden dann von einem Kuratorium bestehend auf Künstlern, Produzenten und Verlegern - also unabhängig von uns - freigegeben.
Thomas Jensen
METAL4: Neben der Frage, wessen Brüste echt sind, interessiert junge Musiker natürlich vor allem eines: Wie wird man erfolgreich? Entscheide selbst, wozu du mehr sagen kannst, und gib unseren Lesern bitte ein paar Ratschläge!
Thomas Jensen
Spielen, spielen, spielen - viel mehr kann ich da nicht sagen. Findet einen eigenen Weg und versucht niemanden zu kopieren. Nehmt alle Möglichkeiten wahr, euch vor Fans zu präsentieren - live oder auch via Internet, zum Beispiel beim Metal Masters auf www.wackentube.com.
Thomas Jensen
METAL4: Wie sehr achtet ihr eigentlich beim Booking noch auf eure eigenen Vorlieben?
Thomas Jensen
Da wir nach wie vor Metal Fans sind, kommen unsere Vorlieben natürlich nicht zu kurz. Wir schauen natürlich aber auch, was die Fans wollen. Dann ist vieles auch davon abhängig, welche Bands gerade zur Verfügung stehen, wie die Gagenvorstellungen aussehen etc.. Wir stehen auch in sehr engen Kontakt zu allen Agenten und den Plattenfirmen.
Thomas Jensen
METAL4: Was war das Schlimmste, das du auf einem W:O:A mit einem Musiker bis jetzt erlebt hast? Natürlich brauchst du keine Namen zu nennen...
Thomas Jensen
Ganz ehrlich, da gab es nichts Schlimmes. Klar wird man nervös, wenn ein Flieger mit einem Headliner drin extreme Verspätungen hat, oder eine Backline in einem schwarzen Loch auf der A23 verschwunden ist - aber unser Team ist so professionell, dass wir alles gehandlet bekommen.
Thomas Jensen
METAL4: So, das war es auch schon! Die letzten Worte gehören damit dir!
Thomas Jensen
Danke an alle Fans für den jahrelangen Support - See you in Wacken - Rain or Shine!!
Thomas Jensen

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