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Summer Breeze 2011



summer-breeze-2011-300x263Es ist August, es ist Mitte des Monats, es ist Zeit für das diesjährige Summer Breeze Open Air im bayerischen Dinkelsbühl. Vom 16. bis zum 20. August rockten zahlreiche Fans des metallischen Klangs unter sengender Hitze mit 100 Bands. Auf dem Gelände, das etwa halb so viele Menschen wie beim Wacken Open Air unterbringen kann, waren etwa 35.000 Leute anwesend. Sie überlebten den Sturm, der am frühen Freitag Morgen über das Camp hinwegfegte, und der in Belgien am Vortag unglücklicherweise mehrere Opfer gefordert hatte; Sie überlebten die Hitze und die Circle Pits und machten das Festival zu dem was es ist, zu einer großen Ode an den Metal und einer riesigen Party.

Auch wenn man bei einer solchen Menge an Bands unmöglich alle abdecken kann, findet ihr hier nun Berichte zu vielen davon – seien es Headliner oder aufstrebende Underground-Acts, die sich trotzdem meist gelohnt haben.

The Haunted

Am späten Donnerstag Nachmittag standen die Herren von The Haunted auf der Hauptbühne und sammelten eine große Schar Anhänger vor dieser, die allerdings, aufgrund der Hitze, nur zum Teil zu vermehrter Bewegung bereit war. Mit ihrer Mischung aus Thrash und Melodic Death Metal machten sie der sengenden Sonne durchaus Konkurrenz und forderten immer wieder zu Circle Pits auf. Mit einem sehr gemischten Set, quer durch ihre sieben bisher erschienen Alben legten sie einen fetten Auftritt aufs bayrische Bühnenparkett.

Arch Enemy

Später statteten die schwedischen Melodic Deather Arch Enemy dem zahlreichen Publikum einen Besuch ab. Nach dem Erfolg ihres neuen Albums „Khaos Legions“ ließen sie es sich natürlich nicht nehmen, auch hier einige Hits der neuen Platte zu spielen. Doch auch Klassiker wie „My Apocalypse“ oder „We Will Rise“ waren wieder dabei und das Publikum war begeistert. Frontfrau Angela Gossow gab sich gewohnt charmant und wild und forderte die Menge damit noch einmal zu Mitsing-Höchstleistungen auf.

Hackneyed

Die jungen Deather aus Baden-Württemberg erklommen Donnerstag Abend die Party Stage und legten einen durchweg gelungenen Auftritt hin. Ebenfalls mit neuem Album kochten sie die Hitze des Tages noch einmal auf und führten zu einem ansehnlichen Moshpit. Doch natürlich kamen die Stücke ihrer Debüt-Scheibe in dieser Dreiviertelstunde im Partyzelt bei weitem nicht zu kurz.

Saltatio Mortis

Mit dem neuen Album “Wer Wind säht” im Gepäck starteten die Jungs ihren Auftritt am Freitag Nachmittag auf der Main Stage. Einen kleinen Auszug aus diesem Album präsentierten sie dem gespannten Publikum, das aber auch besonders die alten Stücke begeistert feierte. “Prometheus”, “Falscher Freund” und “Uns gehört die Welt” sind eben immer wieder ein Garant für die beste Stimmung unter den Fans, denen Sänger Alea wie immer besonders nah sein wollte. So suchte er auch auf diesem großen Festival den Kontakt und lief nicht nur als Anführer mit Fahne durch die Wall Of Death, sondern ließ sich auch als Crowdsurfer über die Menge hinweg tragen. Dieses Konzert bleibt mit seiner Einmaligkeit und seinem Charme den Zuschauern wohl lange im Gedächtnis.

Turisas

Dass Turisas immer für ein Tänzchen gut sind, zeigten sie in diesem Jahr schon bei diversen anderen Festivals und Konzerten. Das Publikum auf dem Summer Breeze schien allerdings fest entschlossen, den Stimmungs-Rekord noch einmal zu brechen. Tanzende Wikinger und grölende Krieger untermalten passend, was Turisas auf der Bühne musikalisch leisteten. Sowohl neue, als auch ältere Songs wurden vom Publikum enthusiastisch aufgenommen und textsicher mitgesungen.
Da durfte „Stand Up And Fight“ genauso wenig fehlen, wie der Rausschmeißer des Tages, „Rasputin“. Und damit ging dann auch eine tolle Show und eine stimmungsvolle Tanz-Party zu Ende.

Amorphis

Mit ihrem letzten Album „The Beginning Of Times“ landeten sie nicht nur in den deutschen Albumcharts, sondern auch in den Herzen vieler Metaller. Das bewiesen sie in diesem Jahr nicht nur auf dem Metalfest, dem Rockhard oder Rockharz, sondern eben auch auf dem Summer Breeze. Pünktlich zu ihrem Auftritt füllte sich das Infield und die Besucher genossen 60 Minuten genialster Musik. Sänger Tomi Joutsen war stimmlich ziemlich überzeugend und führte das Publikum durch ein Stück Amorphische Musikgeschichte. Nicht fehlen durften Songs wie „My Kantele“, „Castaway“ oder „You I Need“.

Neaera

Die Münsteraner Melodic Deather von Neaera sind nicht für ihre kuscheligen Konzerte bekannt, es sei denn man nennt die jederzeit auftretenden, deftigen Moshpits kuschelig. Aber genau das ist es, was die Band auch besonders ausmacht, ihre Songs reden nicht um den heißen Brei herum, sie machen den Brei erst gezielt heiß. So darf sich der entstandene Circle Pit vielleicht der größte des diesjährigen Summer Breeze nennen, einmal durch das gesamte Zelt erstreckte sich der Kreis aus bewegungsfreudigen Fans. In Ruhe stehen bleiben konnten jedoch auch wenige, die sich das Kreisen lieber vom Rand her ansahen, wenigstens mit den Köpfen wippten die meisten. Auch die allseits bekannte Wall Of Death bei „Armamentarium“ gab ihren Beitrag zu diesem gelungenen Auftritt und ließ die Menge am Ende durchgeschwitzt das Zelt verlassen.

HammerFall

Die Power Metaller von HammerFall aus Göteborg hatten am Freitag den letzten Slot auf der Main Stage inne und lieferten eine durchweg solide Show. Wie auch bei den Shows zuvor in diesem Jahr spielten HammerFall eine Mischung aus Klassikern und neuen Songs, die jedem Fan zurecht das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Beispiele sind hier “Any Means Necessary”, “Renegades”, “Blood Bound” und einige mehr, von der aktuellen Scheibe unter anderem das allgegenwärtige “One More Time”.

Kataklysm

Nach HammerFall folgte wieder ein krasser Wechsel: Auf der nebenstehenden Bühne machten sich Kataklysm bereit! Die wuchtige Show mit einem Special Anniversary Set – rezitiert wurden die ersten beiden Alben – stellte, vor allem was Bühnenpräsenz und die Menge an Crowdsurfern anging, alle Vorgänger in den Schatten. Obwohl Kataklysm nur die kleinere der beiden Hauptbühnen bekommen hatten, war der Platz bis an die Essensstände gefüllt mit tobenden Fans, und auch der Sound der Band selbst war umwerfend.

Powerwolf

Powerwolf begannen zeitgleich mit Kataklysm im Party Zelt, um das Publikum wieder zum rechten Glauben zu bekehren. Die mit Weihrauch gereinigte Party Stage erstrahlte in gleißenden Licht der Offenbarung. Oder so ähnlich, zumindest dauerte es nicht lange, bis Powerwolf die Menge bekehrt hatte, ob zum Glauben sei dahingestellt. Ihre Musik stieß jedoch durchweg auf Applaus und beste Stimmung. Mit einem gemischten Set aus alten und neuen Songs trafen sie den Geschmack jeden Fans, von “Lupus Dei” bis zum frisch vergossenen „Blood Of The Saints“ war alles dabei, was man sich in 50 Minuten nur wünschen konnte. Zum Klassiker wird wohl die Ansage werden, die Sänger Attila vor dem Song “Resurrection By Erection” von sich gab: “This one is for the guys! Sorry, Ladys!”.

Weissglut

Während auf der Main und der Pain Stage die ganz Großen spielten und auch die Party Stage vom mehr oder weniger alkoholisierten Publikum aufgesucht wurde, gab es einen Ort, der unwillkürlich von der wandernden Menge besucht wurde: die Camel Stage. Am Freitag waren es Weissglut, die etwa drei Stunden lang dort aktiv waren. Die Rammstein Cover Band spielte die größten Hits der Band, wie „Keine Lust“ oder „Laichzeit“, besonders aber wurde der Song „Bayern des samma mia“ gefeiert. Auch wenn Cover und nicht Original, brachten Weissglut doch viele Vorbeilaufende dazu, stehen zu bleiben und ihre Show zu genießen.

Guns Of Moropolis

Weil auf der Camel Stage an jedem Tag zwei verschiedene Acts je vier 20-Minuten-Sets spielten, konnte man am Freitag dort auch die Guns Of Moropolis ansehen. Das Phänomen, das im letzten Jahr noch vollkommen unbekannt war und in diesem Jahr fast sämtliche große Festivals bespielte, lieferte zumindest bei dem Gig, bei dem der Verfasser anwesend war, eine tolle Show ab. Einige Songs der Band sind bereits zu Hits geworden, wie man an der mitsingenden Menge erkannte, und die Guns besaßen die Fertigkeit, die kleine Bühne auch nachmittags schon attraktiv zu machen. Das aktuelle Album “In Dynamite We Trust”, von dem die meisten Stücke stammte, hat es in sich!

Motorjesus

Bereits am Samstag morgen um 11:00 legte die erste Band los, und die hieß Motorjesus. Die Jungs aus dem Ruhrgebiet veröffentlichten Ende 2010 ihr aktuelles Album “Wheels Of Purgatory”, von dem vor allem die Hits “Fist Of The Dragon” und “King Of The Dead End Road” zu nennen sind, die natürlich gespielt wurden. Ansonsten machte sich die Band Freunde, indem sie in einen Song ein nur allzu bekanntes AC/DC-Riff einfließen ließ. Zum Wachwerden also genau das Richtige!

Engel

Sehr gelungen, wenn auch recht früh, war der Auftritt von Engel. Die Band mit Mitgliedern von The Crown oder Gardenian präsentierte stimmungsvollen Melodic Death Metal. Wenn auch nicht so gewaltig wie die großen Namen, die in diesem Projekt vereint sind, so hätten Engel sich doch eine spätere Spielzeit als zehn vor eins nachmittags verdient gehabt.

Deadlock

Die Frankfurter Formation Deadlock lieferte eine, das sei vorab gesagt, durchwachsene Performance ab. Oft wirkte es so, als sei die Pain Stage für die sechs Musiker noch ein wenig zu groß, vor allem Sänger Johannes Prem wirkte oft unsicher und fand erst spät zu guter Form. Sabine Scherer am anderen Mikrofon dagegen leistete sich keinen Patzer, überraschte aber damit, dass sie mit genau so hoher Stimme spricht wie singt. Besonders für Kenner der neuen Scheibe “Bizarro World” war die Setlist sehr angenehm, gespielt wurden unter anderem “Virus Jones”, “Brutal Romance” und “Renegades”. Aber auch der Diehard-Fan kam mit alten Werken auf seine Kosten.

Farmer Boys

Eine Band, die man definitiv gesehen haben musste, waren beim diesjährigen Summer Breeze die Farmer Boys. Immerhin hatten die Jungs seit 2008 keine einzige Show mehr gespielt und auch jetzt ist es noch unklar, wie es mit der Band, die niemals offiziell aufgelöst war, weitergeht. Eine Offenbarung für das Publikum war vor allem der größte Hit der Band, “Here Comes The Pain”, der natürlich ganz am Schluss der Performance platziert war.

Corvus Corax

Keinen Heavy Metal gab es am späten Samstag Nachmittag auf der Pain Stage zu hören, denn die Band namens Corvus Corax kommt komplett ohne metallische Klänge aus; damit man aber doch eine Kategorie findet, wird kurzerhand der Wood Metal erfunden. Nicht ganz ernst gemeint beschreibt diese Schublade zumindest die Instrumente der Band, historisches Liedgut erfordert halt auch die passende Umsetzung. Es war der letzte Auftritt mit bestehendem Set, denn die Gruppe verschlägt es mal wieder ins Studio, wo sie sich an neue Gefilde heranwagen, die Musik der Kelten und Wikinger. Diese Show beinhaltete neue als auch alte Stücke, sowie die Evergreens wie „Mille Anni Passi Sunt“ und befriedigten somit die musikalischen Bedürfnisse der Fans aufs Ganze.

Caliban

Caliban zählen zu den Bands, deren Live-Shows man nicht sieht, sondern erlebt. Entsprechend hatten die Jungs sich auch nicht gescheut, beim Summer Breeze ordentlich die Sau raus zu lassen, und wem schon die Musik nicht zusagt, der wird sich wenigstens über die Pyroeffekte und die bunten Konfettis gefreut haben, die mehrere Meter hoch in den frühabendlichen Himmel gepustet wurden. Ansonsten gibt es vom Auftritt vor allem zu berichten, dass die von Sänger Andy Dörner angestrebte Wall Of Death eine Weile auf sich warten ließ, immerhin musste er vier Mal nachfragen. Musikalisch boten Caliban natürlich wieder Spitzenklasse – wobei hier zumindest der Sound, für den die Band wenig kann, bemängelt werden muss.

Tarja

Charismatisch wie immer: Tarja. Ohne viel Klim-Bim und drumherum lieferte sie über eine Stunde lang gewohnte Höchstleistungen. Wie immer durften die beiden obligatorischen Nightwish-Songs nicht fehlen, doch auch die Songs ihres Solo-Projekts präsentierte sie unheimlich überzeugend, wenn nicht sogar besser. Das bestätigte wohl auch das über mehrere hundert Meter zu hörende Geschrei des Publikums, das die Opern-Göttin feierte. Mit majestätischem Sound gab sie unter anderem „I Walk Alone“, „Over The Hills And Far Away“ oder auch „Die Alive“ zum Besten. Als zusätzliches Bonbon konnten die Summer Breeze-Besucher mit ansehen, wie Tarja die Gold-Auszeichnung für ihr Werk “My Winter Storm” entgegennahm – das bedeutet, dass 120.000 Einheiten davon in Deutschland verkauft wurden.

Sodom

Warum auch immer, war das Summer Breeze 2011 das Festival der wechselnden Genres. Nach Tarja auf der Main Stage durften sich Sodom um Onkel Tom Angelripper auf der Pain Stage versuchen. Die Fluktuation des Publikums war gewaltig, ebenso gewaltig aber auch die Live-Show von Sodom. Tolle Lichteffekte, die auf die Dramatiken von Songs wie “Agent Orange” und “Ausgebombt” abgestimmt waren, brachten die Fans zum Toben. Die meisten dieser Fans gingen direkt nach dem Konzert aber wieder, denn als nächstes stand wieder ein Genrewechsel auf dem Programm.

Hatebreed

Amerikanische Bands, so sagt der Volksmund, sind live immer etwas besser. Also, noch besser! Woran das liegt, ist mir unbekannt, es bewahrheitete sich jedoch wieder einmal bei Hatebreed. Bereits nach den ersten Songs hatte Sänger Jamey Jasta das Publikum im Griff. Besonders bewundernswert war, wie die Menge innerhalb von drei Minuten zuerst im Takt hüpfte, dann die Pommesgabeln in die Luft reckte, Mitsang und zum Schluss wieder mitsprang – Respekt! Obwohl das ganze Konzert großartig war, merkte man doch den Hunger des Publikums auf die zum Ende hin auftauchenden Hymnen der Band – “I Will Be Heard”, “Destroy Everything” und “Live For This”.

God Dethroned

Besonders ergreifend war der Auftritt von God Dethroned am späten Samstag Abend auf der Party Stage. Nicht etwa, weil ihre todesmetallischen Klänge die Menge zum Weinen brachten, sondern weil sie damit ihr letztes Konzert in Deutschland spielten. Am Ende des Jahres wird sich die Band auflösen, gab auf dem Summer Breeze aber noch einmal alles. Viele Fans, die die Band über die letzten beiden Jahrzehnte begleitet haben, waren gekommen, um die Niederländer gebührend zu verabschieden. Und auch God Dethroned gaben sich größte Mühe, das deutsche Publikum ein letztes Mal den metallischen Abgründen ganz nah zu bringen. Die wirklich letzten Chance auf eine Live-Show der Band ergeben sich Ende 2011 in Eindhoven, sowie Anfang 2012 auf der 70.000 Tons-Kreuzfahrt.

Primordial

Nach dem Headliner Hatebreed beendeten die Iren Primordial das Festival, zumindest was die beiden Hauptbühnen betraf. Auch wenn mir die Musik nicht liegt, so kann doch nicht übersehen werden, dass die Stimmung, die diese Band verbreitet, außerordentlich ist. Damit ist nicht ein enthusiastisches Geschrei gemeint, sondern vielmehr wirklich echte Atmosphäre. Dieser Fähigkeit haben es Primordial zu verdanken, dass das neue Album “Redemption At The Puritan´s Hand” nicht nur von unserem Magazin in himmlische Höhen gelobt wurde. Freunde der Band waren von dieser Show sicherlich schwer berührt.

Rotting Christ

Im Party Zelt ging die Nacht noch weiter. Auch wenn ich die letztegesetzten Burden Of Grief verpasste, fand ich noch die Muße, mir Rotting Christ anzusehen. Die griechische Band überraschte mich mit Geknüppel, das anspruchsvoll und eingängig war, obwohl es zunächst nicht sehr innovativ zu sein schien. Sakis Tolis an der Gitarre und am Gesang lieferte zusammen mit seinen Kumpanen eine tolle Show ab, die zeigte, dass es auch nachts um halb drei noch möglich ist, Festivalpublikum zu animieren, das eigentlich seit vier Tagen dauerbetrunken und müde ist. Vor der Bühne ging jedenfalls die Post ab.

Somit ging nach vier Tagen voll böser Musik und einer Menge Alkohol ein grandioses Summer Breeze vorüber. Wieder mal blieben viele Zelte stehen, viele neue Freunde wurden gewonnen und die Riten eines guten Festivals bis zum Ende traditionell durchgeführt. Wir freuen uns schon auf das Summer Breeze 2012, das bereits für den 16.-18.August angesetzt wurde und somit einen dicken roten Kringel in euren Kalendern verdient.

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